Hotel „Spielball“

unbenannt-12Die leidvolle Geschichte dieses Hotels beginnt als einfache strohbedeckte Schwarzwaldhütte ohne Kamin mit der Berechtigung zu einer Buschwirtschaft im Jahre 1818.
Mit dem Hotelbetrieb startete man 1884, allerdings hatte man schon zu dieser Zeit kein Glück, ein Großbrand zerstörte das gesamte Anwesen.

Bereits 1885 öffnete es allerdings wieder seine Pforten, als Wirtschaft mit Übernachtungsmöglichkeit.

Private Veränderungen und Investitionen ermöglichten in den 1890er Jahren einen Ausbau zu einem Kurhotel und übernahm eine Art Pionierstellung an der Entwicklung und Erschließung des Fremdenverkehrs der Region.

Während des Zweiten Weltkriegs kam der Hotelbetrieb zum Erliegen und diente als Unterkunft für Mannheimer Schülerinnen im Rahmen der Kinderlandverschickung.

Nach dem Krieg wurde das Gebäude durch die französischen Truppen genutzt,

Im Jahr 1948 erfolgte die Wiederaufnahme des Hotelbetriebs trotz vieler Beschädigungen. Aber die Zeiten hatten sich geändert, die Deutschen wollten ihren Urlaub nicht mehr in der Heimat verbringen und bevorzugten lieber die Fremde und Sonne, am liebsten Italien. Lediglich zur Winterzeit kamen die Massen und prägten fortan das Bild der Region als Wintersportregion.
In 1968 erfolgte ein weiterer Ausbau um eine Schwimm- und Gymnastikhalle.

Der wirtschaftliche Aufschwung des Hotelbetriebs als Kurklinik hielt an bis 1982. Mit Beginn der Rezession im Bergbau ging es auch mit der Kurklinik bergab und eine Erholung war nicht mehr möglich. 1Im gleichen Jahr schloss das Hotel daher seine Pforten und die Odysse nahm ihren weiteren Lauf.

unbenannt-13Erste Bemühungen das ehemalige Hotel einer weiteren Nutzung zuzuführen, waren nicht von Erfolg gekrönt. Die Umwandlung des Gebäudes in eine Appartementanlage wurde allerdings nicht in die Tat umgesetzt. Nur als Jugendhotel öffnete das einstige Kurheim noch einmal für eine kurze Zeit.
Anfang der 1990er Jahre wurde das Hauptgebäude unter Denkmalschutz gesetzt. Aber auch dies war nur von vorübergehender Dauer, bereits 1998 wird es wieder aus der Liste der denkmalgeschützten Gebäude gestrichen.

Im Sommer 1994 begann  ein Pächter mit Renovierungsarbeiten. Es sollte ein Jugendhotel, hauptsächlich für Schüler aus dem Osten Deutschlands werden, aber auch dieses Vorhaben scheiterte.

Nach vielen Jahre der Stille, in der das Unternehmen allein mit der Natur war und zusehends verfiel, sollte in 2006 nach dem Kauf durch einen ausländischen Investor eine Wiedergeburt als Low-Budget-Hotel erfolgen.

Es blieb aber wieder mal bei Plänen ohne Umsetzung. Und so wird das Gebäude weiterhin sich selbst überlassen.

unbenannt-192007 ist das Hotel in einem desolaten Zustand. Das Hotel wir zur Versteigerung freigegeben. Der Verkehrswert der mit 3300 Quadratmeter großen Nutzfläche bezifferten Immobilie auf ca. 58 ar großem Gelände wird aufgrund des maroden Zustandes auf einen symbolischen Wert von 1 Euro geschätzt, wegen offener Forderungen der Gemeinde das Mindestgebot aber auf 28730 EUR angesetzt. Den Zuschlag erhielt ein Bauunternehmer für 92.500,– EUR. Obwohl alle Sachverständigen einen Abriss und Neubau verlangen will der neue Eigentümer davon nichts wissen und das Gebäude jetzt sanieren und zu einem agrotouristischen Hotel umbauen.

Oh Wunder, es geschieht auch weiterhin nichts. Offenbar findet der neue Eigentümer keine Geldgeber, die seine Idee finanzieren wollen.

Da die Forderung der Gemeinde Ottersweier nicht beglichen wurde, wird im November 2007 das Hotel erneut versteigert. Und wieder findet sich ein Bieter, der den Zuschlag erhält.
Geplant war auf Ende 2008 die Eröffnung eines 50-Zimmer Hotels mit Tagungsstätte mit einer Investition von einer halben Million EUR.

Aber immer noch kein Happy-End in Sicht und das Gebäude bleibt weiter im Dornröschenschlaf.
In der Nacht zum 13. November 2010 wütet Sturm Carmen und deckt Teile des maroden Daches ab. Die Eigentümer wurden aufgefordert das demolierte Dach zu reparieren, was allerdings nicht ausreichend erfolgte. Aber was tun, wenn nichts zu holen ist?

Die Baurechtsbehörde kommt ihrer Sicherungspflicht nach, Zimmerleute entfernen alle Fenster und Türgriffe am Gebäude, sichern alle Zugänge mit Spanplatten ab. So soll ein unbefugtes Betreten des Hotels verhindert werden, nur wenige Monate später beantragt die Gemeinde zur Abwechslung mal wieder eine Versteigerung der Immobilie.

unbenannt-152012, das traurige Ende des einst edlen Hotels ist nun spruchreif, ganze Gebäudeteile sind durchnässt, die Decken nicht mehr tragfähig, die Bagger rücken an um einen Teil des Gebäudes dem Erdboden gleichzumachen. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, wird nur ein Teil des Hauses abgerissen.

Achso, von den Eigentümern des Hotels ist während der gesamten Zeit und dem ganzen Hick-Hack nichts zu hören…..

Doch Ende 2012 nachdem das Landratsamt eine gesetzt hat, den Bauschutt zu entsorgen, will einer der  Eigentümer 500.000 EUR geltend machen, wegen unbegründetem Eingriff in fremdes Eigentum.

Das Landratsamt erhöht daraufhin in 2013 den Druck und setzt eine letzte Frist zur Beseitigung.
Es hat wohl niemand geglaubt, das die Eigentümer der Frist nachkommen, selbst die erwartete Begründung für den Widerspruch ist nicht eingegangen. Jetzt will das Landratsamt die Ruine bis Ende des Jahres beseitigt haben, aber die finanzielle Abstimmung mit den übergeordneten Behörden und der einbrechende Winter stellen den zeitnahen Abriss in Frage. Und so kommt es wie erwartet, der Abriss wird verschoben.

Zu holen ist nichts bei den Eigentümern, die Gemeinde leibt auf den Kosten sitzen. Schlimmer noch, sie müsste wohl auch alle weiteren selber tragen. Und man prozessiert munter weiter drauf los.

Wir waren im Dezember 2015 da und bis heute gibt es keinen neuen Stand der Dinge.

Das einst so stolze Hotel, verfallen als Spielball zwischen Behörden und Eigentümern, die sich nicht darum kümmern, es tut einem in der Seele weh…


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