VEB Drucktechnik

_mg_5381Ein Industriegebäude mit langer Geschichte besuchten wir im Herbst 2015. In der 1867 gegründeten Fabrik wurden vor allem Buchdruckmaschinen, Lithographie-Pressen und Dampfmaschinen produziert. Es gehörte einst zu den größten Maschinenbauunternehmen in Leipzig und erlangte eine regionale Bedeutung durch die Produktion von Dampfmaschinen.

Nach mehrfachen Umfirmierungen gehörte das Werk zuletzt zum VEB Druckereimaschinenwerk Leipzig und wurde 1990 stillgelegt, doch der Reihe nach…

Der in Marienburg geborene Firmengründer Otto Ludwig Philip Swiderski, Jahrgang 1836, kam nach einem äußerst umfassenden Studium in Berlin, Karlsruhe, Essen, St. Anna in Westfalen und St. Denis bei Paris im September 1867 nach Leipzig, um sich hier selbständig zu machen [Quelle siehe unten 1]

Das ursprüngliche Firmengelände am alten Standort war nicht erweitnicht erweiterbar. Am 14. Januar 1888 stellte der Unternehmer daher einen Bauantrag zu einem Fabrikgebäude, einem Kesselhaus nebst Schornstein, einem Pissoir, einem Portiershaus, einem Koksschuppen und einer Schmiede auf seinem neuen Grundstück.

Ebenjenes statten wir einen Besuch ab. Bei dem Fabrikgebäude handelte es sich um eine 110 M_mg_5431eter lange und 20 Meter breite Montagehalle mit basilikaler Anlage – bestehend aus zwei Seitengalerien und einem als Oberlicht dienenden, erhöhten Glasdachreiter über dem Mittelteil. Diesem sehr funktionalen Montierraum wurde ein schmales Vordergebäude für das Kontor vorgelagert, welches nicht nur die Büroräume beherbergte, sondern mit seiner aufwendig gestalteten Turmfassade parallel dazu Werbefunktion für den Betrieb übernahm.

Nach umfangreichen weiteren Baumaßnahmen in den Folgejahren: Drei Schuppen, ein weiteres Pissoir, eine zweite Eisengießerei sowie eine _mg_5394Modelltischlerei, wurde die Freifläche des Zwischenraumes einfach mit einer Stahl- und Glaskonstruktion überdacht, wodurch mit einfachsten Mitteln und geringstem Kostenaufwand ein weiterer Produktionsraum geschaffen werden konnte.

Am 3. Januar 1900 beschließt die Generalversammlung eine neuerliche Umbenennung der Firma in Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Philip Swiderski. Es ist also anzunehmen, dass die Firma Mitte der 1890er Jahre in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.

Am 16. Oktober 1916 übernahm die „Industriewerke GmbH“ das Unternehmen. Ab jetzt konzentrierte man sich auf den Bau von Druckereipressen. Am 19. März 1921 übernahm das 1908 gegründete Unternehmen „Schröder, Spiess & Co.“ das Werk. Hergestellt wurden jetzt neben Druckmaschinen auch Falzmaschinen und Bogenanlegermaschinen. 1927 ist das Unternehmen unter dem Namen „Georg Spiess Maschinenfabrik“ bekannt.

_mg_5409Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem etwa 70% der Bausubstanz durch Bombenangriffe schwer beschädigt worden waren (1943/44), ging man rasch an den Wiederaufbau des Unternehmens, das ab 1952 von der Stadt Leipzig treuhänderisch verwaltet wurde.

Ein Jahr später, 1953, übernahm der VEB Polygraph bereits die Verwaltung der Firma und im Zuge der allgemein üblichen Kombinatsbildung in der Volkswirtschaft der DDR in den  1960er und ‘70er Jahre wurde das Werk 1960 als Betriebsteil III dem VEB Druckmaschinenwerke Leipzig eingegliedert.

Nach der Wende und der Wiede_mg_5411rvereinigung wurde das Gelände von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft mbH verwaltet und Mitte der 1990er Jahre, wie viele andere Grundstücke weiter veräußert, wird seitdem aber nicht mehr genutzt und ist der Natur ausgesetzt.

Quellen:
1: Studie zur Industriearchitektur in Leipzig Plagwitz 1870-1914 am Beispiel ausgewählter Bauten vorgelegt von Magistra Artium Julia Susann Buhl aus Leipzig Von der Fakultät I – Geisteswissenschaften der Technischen Universität Berlin zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie – Dr. – Phil. – genehmigte Dissertation
Seiten 226-229
2: https://rottenrails.wordpress.com/tag/leipzig/

Du hast weitere Informationen zum Gebäude und dessen Geschichte? Dann freue ich mich sehr über eine Nachricht!


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